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Triebwagen 26 war der erste Großraumwagen für die Straßenbahn Mönchengladbach und wurde am 19. April 1957 offiziell in Dienst gestellt. Hier steht er – fabrikneu – auf dem Betriebshofgelände an der Hindenburgstraße.

Die Geschichte von Triebwagen 26

Mönchengladbach war bis in die 1950er-Jahre der westliche Außenposten im Netz der rheinisch-westfälischen Straßenbahnen – das damals größte europäische Schienen-Nahverkehrssystem, das von Bonn bis Dinslaken und von Waldniel bis Unna untereinander Verbindung hatte. Dem verkehrspolitischen Zeitgeist folgend verabschiedete sich Mönchengladbach – so wie andere Städte – in den 1960er-Jahren vorzeitig vom schienengebundenen Nahverkehr.

Am 15. März 1969 schickte die Stadt ihre Straßenbahn, die 72 Jahre lang das Rückgrat des öffentlichen Personennahverkehrs in Gladbach und Rheydt war, in den Ruhestand. Das einst ausgedehnte Schienennetz reichte von Süchteln und Dülken im Norden bis nach Wickrath im Süden, sogar eine Städteverbindung nach Krefeld über Schiefbahn existierte.

Noch Mitte der 1950er-Jahre beschlossen die damaligen Stadtwerke, moderne Großraum- und Gelenktriebwagen an­zuschaffen, um den Wagenpark grundlegend zu modernisieren. Als erstes Fahrzeug dieser neuen Generation, die vom Düsseldorfer Hersteller Düwag entwickelt worden war, wurde der vierachsige Triebwagen (Tw) 26 im April 1957 ausgeliefert. Ihm folgten fünf baugleiche Fahrzeuge. Als Mitte der 1960er-Jahre absehbar war, dass die Straßenbahn in Mönchengladbach und Rheydt trotz aller Modernisierungsmaßnahmen keine Zukunft mehr haben würde, machte man sich auf die Suche nach Käufern für die noch jungen Fahrzeuge. Fündig wurde man u.a. in Aachen, wohin Triebwagen 26 im Oktober 1968 überführt wurde.

Werner Rabe fotografierte Tw 26 im August 1964 an der Haltestelle Mgladbach Hauptbahnhof

Drei Städte in vier Jahrzehnten

Doch die Einsatzzeit in Aachen währte nicht lange. Auch dort standen alsbald die Zeichen auf Stilllegung. Der letzten „Elektrischen“ wurde 1973 der Strom abgeschaltet.

Da die Düwag-Fahrzeuge überaus robust konstruiert und zuverlässig im Betrieb waren, fanden sich abermals Käufer für einige Exemplare. Triebwagen 26, in Aachen mit der Betriebsnummer 1016 versehen, blieb mit seinem Verkauf an die Mainzer Straßenbahn, wo er die Nummer 210 erhielt, dem Rheinland im weitesten Sinne treu. Erst 1988, 31 Jahre nach Indienststellung, wurde das Fahrzeug nicht mehr Linienverkehr eingesetzt.

Zunächst verblieb der Wagen im Bestand der Mainzer Straßenbahn, bevor der Verkehrsbetrieb in Aachen sich seiner schienengebundenen Vergangenheit besann und diesem auch dort wichtigen Kapitel der Nahverkehrsgeschichte ein Denkmal setzen wollte. Man erinnerte sich an Tw 210 bzw. 1016 und so fand er 1993 seinen Weg zurück in die Kaiserstadt. Dort wurde er restauriert und auf dem Busbetriebshof ausgestellt. 20 Jahre war er dort ein wahrer „Hingucker“ und wirkte dank der guten Pflege immer stets „wie aus dem Ei gepellt“.

Die Zukunft als Ausstellungsstück war 2014 ungewiss geworden. Der ASEAG war es aber eine Herzensangelegenheit, dass dieses Stück Technikgeschichte erhalten und einer neuen Nutzung zugeführt werden würde. Hätte sich kein neuer Interesssent gefunden, wäre das Fahrzeug vermutlich verschrottet worden.

Rückkehr in die Heimat

Durch einen glücklichen Zufall erfuhr der Wahl-Mönchengladbacher Axel Ladleif von den leider trüben Zukunftsaussichten für den Wagen. In einer Gemeinschaftsaktion – unterstützt durch die NEW und EWMG – gelang es, dieses Stück Mönchengladbacher Stadt- und Verkehrsgeschichte wieder in die alte Heimatstadt zurückzuholen.

Nach einigen Wochen der Vorplanung war es am 8. September 2014 soweit. Per Tieflader ging Triebwagen 26 auf die Reise von Aachen nach Mönchengladbach, 46 Jahre nachdem er den Weg in umgekehrte Richtung angetreten hatte. Er konnte wettergeschützt abgestellt werden. Die Aufarbeitung, die ihn nach deren Abschluss wieder in Mönchengladbacher Farbgebung Creme mit blauen Zierstreifen zeigt, wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Angestrebt ist, ihn im Jahr 2019 der Öffentlichkeit zu präsentieren, exakt 50 Jahre, nachdem die Mönchengladbacher Straßenbahn stillgelegt wurde.

Triebwagen 26 ist als „Einsatzwagen“ aus Anlass eines Spiels der Borussia auf der Eickener Straße in Höhe der Einmündung Bergstraße unterwegs (R. Todt, Archiv WRR).